Zufriedene Familien bleiben hier

Zertifikat: Leipziger Ingenieurbüro lebt die Vereinbarkeit von Beruf und familiärem Glück

Foto: seecon Ingenieure

Leipziger Volkszeitung, erschienen am 26.07.2011

Viele ostdeutsche Unternehmen sehen es als dauerhafte Herausforderung an, Spitzenkräfte ihrer Branchen in den neuen Ländern zu halten. Ein Grund: Die in den alten Bundesländern vorhandenen Lohnanreize können im Osten kaum gekontert werden.

Eine zunehmende Anzahl von Geschäftsführern hat erkannt, dass die Balance von Beruf und Familie für viele Absolventen und Spezialisten ein stichhaltiges Argument ist, um ihren Herkunfts- oder Studienregionen die Treue zu halten. Die demografische Entwicklung bringt die Fachkräfte nicht mehr in die Zwickmühle, sich zwischen Kindern und Familienglück oder Karriere und nackten Gehaltsvorstellungen anderswo entscheiden zu müssen. 

Die Firma seecon Ingenieure in Leipzig-Lindenau praktiziert diese Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon seit geraumer Zeit im Geschäftsalltag. Das hat sich Firmenchef Jeffrey Seeck von der unabhängigen Hertie-Stiftung mit dem Zertifikat "Beruf und Familie" Schwarz auf Weiß geben lassen. Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) war in Leipzig, um das Zertifikat zu präsentieren. Das Leipziger Unternehmen ist das erste ostdeutsche Ingenieurbüro und bundesweit der zweite Branchenvertreter, der die Kriterien für das begehrte Dokument erfüllt.

"Kleine, aber richtungsweisende Maßnahmen haben unser Unternehmen in den Augen der Belegschaft und neuer Mitarbeiter attraktiver gemacht", erklärt Seeck. Die Mittel sind vergleichsweise simpel: Gleitzeitarbeit ohne Kernarbeitszeit, kurzfristige Mitnahme der Kinder an den Arbeitsplatz, drei Weiterbildungstage pro Jahr - auch für Teilzeitkräfte - vermögenswirksame Leistungen, Zuzahlungen zur Altersvorsorge und eine prozentuale Gewinnbeteiligung haben sich neben anderen Maßnahmen für Eigner und Mitarbeiter des Ingenieurbüros als wirkungsvolle Instrumente erwiesen. "Ist ein Mitarbeiter oder Interessent jedoch kein Familienmensch, kann unsere Taktik aber nicht greifen", kennt der 43-jährige die Grenzen dieser Strategie. "Mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben wir in unserer Firma ein wirksames Mittel gefunden, das wir im Wettbewerb um die klügsten Köpfe in die Waagschale werden können", erklärt Geschäftsführer Seeck, dessen Ingenieurbüro in den mitteldeutschen Ländern sowie Berlin Niederlassungen unterhält. "Familienfreundliche Unternehmen können die gut ausgebildeten Kräfte so im Osten halten", ist sich der vierfache Vater Seeck sicher. 

Die positive Entwicklung im eigenen Haus scheint dem Unternehmer Recht zu geben: "In den vergangenen fünf Jahren konnten wir eine ganze Reihe von Mitarbeitern im Unternehmen halten, zudem auch neue Kollegen begrüßen. Die Zahl unserer Mitarbeiter hat sich innerhalb dieser Zeit auf 20 verdoppelt", sieht der Diplom-Ingenieur einen Beweis für die Wirksamkeit seiner Familienfreudlichkeits-Offensive.

Text: Frank Schmiedel

26.07.2011 08:12