Stadt Zwenkau in Energie-Modellprojekt aufgenommen

seecon Ingenieure erarbeiten quartiersbezogenes Klimaschutzkonzept

Foto. André Kempner

Leipziger Volkszeitung, erschienen am 08.02.2012

Zwenkau. Die Stadt Zwenkau ist eine von drei sächsischen Kommunen, die in das Modellprojekt „Gebäudebestand, Energieeffizienz, Denkmalschutz“ des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung aufgenommen worden sind. Mit der Entwicklung eines quartiersbezogenen Energie- und Klimaschutzkonzeptes soll die östliche Innenstadt aufgewertet werden.

Das Viertel zwischen Bahnhofstraße, Pestalozzistraße und An der Trift hat unstrittig Nachholbedarf. Nicht umsonst wurde es im vergangenen Jahr in das Stadtumbauprogramm Ost aufgenommen (die LVZ berichtete). 1,3 Millionen Euro Fördermittel fließen laut Bauamtsleiterin Steffi Gebauer bis
2015 in das Gebiet. Mit dem Modellprojekt kann die Stadt nun aufsatteln. Die vom Stadtrat beauftragte Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, Niederlassung Dresden, untersucht seit Ende Dezember, fachlich begleitet von der Leipziger Firma Seecon, inwieweit eine denkmalgerechte mit einer energieeffizienten Sanierung kombiniert werden kann.

So werden verschiedene Möglichkeiten der Energieerzeugung und nutzerorientierten Verteilung unter die Lupe genommen. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei dem Schulzentrum in der Pestalozzistraße zu. Denn in dem Gebäudekomplex sind der Neubau der Turnhalle und des Speisesaals sowie ein Anbau für eine Freie Mittelschule geplant (die LVZ berichtete) – und das möglichst als klimaneutrale „Plus-Energie-Häuser“. Nun soll geprüft werden, ob das Schulzentrum möglicherweise sogar zum Stromversorger für öffentliche Gebäude wie das Kulturkino in der Hugo-Haase-Straße werden könnte. Aber auch andere alternative Lösungsansätze sind gefragt.

Eine besondere Rolle wird im Rahmen des Modellvorhabens „Schule macht Energie – Energie fürs Denkmal“ den Kindern und Jugendlichen zuteil. Die Grundschüler und Gymnasiasten können praxisnah die Themen Energie und Wirtschaft bearbeiten, zum Beispiel durch die Befragung privater Hauseigentümer. Die Stadt will wiederum durch die Modernisierung von kommunalen Gebäuden eine Vorreiterrolle übernehmen. Und Nachahmer sind ausdrücklich erwünscht. Denn die östliche Innenstadt kämpft mit den typischen Problem von Gründerzeitquartieren im ländlichen Raum: Sanierungsstau, hohe Betriebskosten und Funktionsverlust verhindern eine nachhaltige Nutzung und damit Vermietung beziehungsweise den Verkauf leerstehender Häuser. Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Anreize müssen geschaffen werden, damit sich private Investoren und Unternehmen zu einer energetischen Sanierung in Zwenkau entschließen?

„Das Modellprojekt ist eine große Herausforderung. Es werden ja nicht nur der Energiebedarf und die aktuelle Energiebilanz, sondern vor allem die Potenziale des Quartiers untersucht. Ich bin auf das Ergebnis wirklich gespannt“, erklärt Bürgermeister Holger Schulz (CDU). Er könne sich beispielsweise auch PKW-Stellplätze mit Elektrotankstellen in der Arthur-Mahler-Straße vorstellen, die über Induktionsschleifen funktionieren, erzählt der Ingenieur ganz begeistert. „Es wäre schon eine tolle Sache, wenn wir für das ganze Viertel eine alternative Energieversorgung realisieren könnten“, schwelgt der Rathauschef in Zukunftsträumen. Und ergänzt: „Das Projekt ist natürlich auch ein Test, was die Kommune überhaupt leisten kann.“

Basis des von der Wüstenrot Hausund Städtebau GmbH bis Mitte April zu entwickelnden Entwurfes ist das Konzept „20-20-20“ der Bundesregierung. Danach sollen im Einklang mit den Klimazielen der Europäischen Union in Deutschland die Treibhausgase um 20 Prozent sinken, der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix auf 20 Prozent und die Energieeffizienz um 20 Prozent steigen. „Ende März werden wir dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung unseren Zwischenbericht für Zwenkau schicken“, sagt Nina Mareike Wolf von Wüstenrot. Zuvor soll es aber noch eine Informationsveranstaltung für private Eigentümer, Mieter, Pächter und andere Interessierte geben.

Die Kosten des Modellprojektes belaufen sich auf 30 000 Euro. Die Stadt Zwenkau erbringt davon 1500 Euro als Eigenmittel, die vom Stadtrat bereits bewilligt wurden. 28 500 Euro hat Zwenkau in Form einer nicht rückzahlbaren Zuwendung aus dem Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ der Bundesregierung erhalten.

10.02.2012 16:30