seecon Ingenieure stellen ersten Entwurf für Klimaschutzkonzept Region Beeskow vor
Region erzeugt Strom im Überfluss
MOZ-Online, 17.09.2011, 7:45 Uhr
Lindenberg (MOZ) Das Ingenieurbüro Seecon hat einen ersten Entwurf für ein Klimaschutzkonzept für die Region Beeskow vorgestellt. Das 129 Seiten starke Papier bietet interessante Einblicke in die Energieversorgung der Region und zeigt, wo die Kommunen noch besser werden müssen.
Haben Sie gewusst, dass es zwischen Storkow und dem Schlaubetal 411 „Einspeiser“ gibt, die Strom aus erneuerbaren Energien in einer Menge von 337 000 Megawattstunden pro Jahr produzieren? Diese und ähnliche Einsichten offenbart der erste Entwurf des Klimaschutzkonzeptes für die Region Beeskow, dass die Städte Beeskow, Storkow, Friedland, das Amt Schlaubetal und die Gemeinen Rietz-Neuendorf, und Tauche in Auftrag gegeben haben. Die genannten Kommunen sind neben dem Kreis Oder-Spree, der Regionalen Planungsgemeinschaft Oder-Spree, dem Naturschutzbund und der Bürgerinitiative „CO2-Endlager stoppen“ Mitglieder im Klimabeirat Region Beeskow. Das Gremium hat am Donnerstagabend im Observatorium Lindenberg getagt, es war die zweite Sitzung nach der Gründungsveranstaltung im Mai.
Eckhard Pohl vom Ingenieurbüro Seecon, das von dem Beirat mit der Konzepterarbeitung beauftragt wurde, präsentierte eine vorläufige Bestandsaufnahme der Energieversorgung, der Verbraucher und der Emissionen. Betrachtet wird eine Fläche von 1.000 Quadratkilometern, auf der etwa 40.000
Einwohner leben. Demnach sieht die Bilanz verglichen mit anderen Regionen und mit Gesamtdeutschland gar nicht mal so übel aus: Die durchschnittliche CO2-Jahresemission in der Region liegt mit 6 Tonnen pro Kopf deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 10 Tonnen. Die Region um Beeskow produziert 30 Prozent mehr Energie aus erneuerbaren Quellen als sie insgesamt verbraucht. „Die Region Beeskow erreicht damit bereits heute den Zustand der Autarkie, bezogen auf
den Verbrauch an Elektroenergie“, heißt es in der Studie. Die Biomasse trägt dabei den größten Anteil mit rund 180 Megawattstunden, die Windenergie stellt mit rund 151 Megawattstunden den zweitgrößten Teil. Beinahe 95 Prozent der eingespeisten Elektroenergie werden demnach auf dem Gebiet der Stadt Beeskow und der Gemeinde Rietz-Neuendorf erzeugt.
Für Beeskows Stadtkämmerer Steffen Schulze ist die positive CO2-Bilanz der Region kein Grund zum Ausruhen: „Dass wir im Bundesvergleich relativ gut abschneiden heißt noch lange nicht, dass wir uns nicht noch verbessern können.“ Das Zahlenwerk von Seecon liefert den Kommunen womöglich wertvolle Hinweise, wo die Fenster, Dächer und Fassaden nicht richtig dicht sind. In Tabellenform kann man etwa ablesen, dass das Rathaus in Beeskow im Vergleich zu anderen Rathäusern in Deutschland, was den Wärmeverbrauch pro Quadratmeter angeht, nur im hinteren Mittelfeld zu finden ist, während die Kita Fontanestraße durchaus zu den effizienteren Gebäuden der Stadt zählt.
Das Klimaschutzkonzept Region Beeskow wird vom Bundesumweltministerium mit 57.500 Euro gefördert. Bis Ende März 2012 soll es fertig sein.
Text: Jörg Kühl

