Koloss für Miniatur-Tagebaulandschaft
Mibrag übergibt Schaufelradbagger an Bergbau-Technik-Park-Verein
Leipziger Volkszeitung, erschienen am 27./28. März 2010
Großpösna. Er ist von Nahmen betrachtet ein Monstrum. Er bringt mehr als 1300 Tonnen auf die Waage, ist fast 30 Meter hoch, rund 19 Meter breit und 62 Meter lang. Zwischen den Massen an Stahl wirkt die Gardine im Führerstand geradezu grazil. Seine Bezeichnung: Schaufelradbagger SRs 1000/1547. Seit gestern gehört der Koloss offiziel dem Bergbau-Technik-Park. Stephan Uhlemann, Abteilungsdirektor für technische Dienste bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag), übergab Gerald Riedel vom Bergbau-Technik-Park den Schlüssel für den Bagger, der seit seiner Inbetriebnahme 1986 rund 40 Millionen Kubikmeter Abraum im Tagebau Espenhain bewegt hat.
Mit dem Bagger kommt der Verein, der den Park betreibt, seinem Ziel ein weiteres Stück näher. Er will in den kommenden Monaten auf dem Gelände an der A 38 einen begehbaren Tagebau errichten. Auf einem Erkundungspfad können die Besucher dann Tagebauvorbereitungen, die Gewinnung der Kohle, den Transport, die Verkippung und die Renaturierung miterleben. Eine Miniatur-Tagebaulandschaft sozusagen. "Außerdem wollen wir an die Orte erinnern, die wegen des Tagebaus in Espenhain verschwunden sind", sagte Riedel, der übrigens selbst im verschwundenen Dorf Magdeborn geboren wurde.
Den Bagger hatte die Mibrag 2003 von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) übernommen, für den Kaufpreis von einem Euro gehört er nun dem Bergbau-Technik-Park. "Der eine Euro hat uns nicht weh getan", so Gabriela Lantzsch, Bürgermeisterin der Gemeinde Großpösna, der das Gelände gehört. Drei Funktionen würde der Park für Lantzsch erfüllen. "Er ist ein Anziehungspunkt für Touristen, vermittelt Bildung über den früheren Tagebau und erinnert auch an die Veränderungen in der Region", sagte sie.
Bis zum Frühjahr 2011 soll der Park fertig sein: mit einem Parkplatz, einem großen Eingangs- und Gastronomiebereich, einem Spielplatz und dem Erkundungspfad. "Das Projekt wird rund 1,2 Millionen Eurokosten", sagte Peter Krümmel, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Bergbau-Technik-Park. Der Bagger soll übrigens in den nächsten Monaten begehbar gemacht werden. Dafür werden die Geländer erhöht, schließlich sollen sich auch Kinder den Bagger ansehen können. Die Kosten dafür: rund 500 000 Euro. Und noch etwas wird den Bagger, der in seinem Baujahr 1986 schätzungsweise 30 Millionen DDR-Mark gekostet hat, verändern. Auf dem Koloss wird ein Mobilfunkmast installiert.
Text: Julia Tonne


