Frankenberg als Energieregion

Die Stadt strebt Unabhängigkeit von den großen Energieanbietern an - Plan: Energie selbst erzeugen.

Foto: Falk Bernhardt

Mittweidaer Zeitung, erschienen am 02. November 2010

Frankenberg. Die Zschopaustadt ist Vorreiter in der Region, und ihr Ziel ist ehrgeizig. Alles, was an Energie benötigt wird, will sie einmal selbst produzieren - und das auf umweltfreundliche Weise. Auf dem Weg dahin ist am Dienstag der Startschuss zur Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes gegeben worden. Gemeinsam sollen die Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH Dresden und die Leipziger Seecon Ingenieure GmbH diese 53.000 Euro teure Studie bis September 2011 erarbeiten und vorher bereits erste Ergebnisse vorlegen. Der Förderbescheid dazu liegt inzwischen vor. Das Bundesumweltministerium übernimmt 60 Prozent der Kosten. Der bestehende elfköpfige Energiebeirat soll mit weiteren fünf bis sechs engagierten Bürgern aufgestockt werden.

"In einem ersten Schritt wird die Energie- und Kohlendioxid-Bilanz der Stadt erfasst", erläuterte Frankenbergs Wirtschaftsförderer Egon Mertke den weiteren Werdegang. Das Papier soll ausloten, welche Energieeinsparungen sowohl für die Kommune als auch für private Haushalte in Zukunft möglich sein werden. "In einem zweiten Punkt geht es um Energieeffiziens und drittens um die Ermittlung der Ressourcen für den Einsatz alternativer Energien in der Stadt", so Mertke.

Wenn die Ergebnisse im Herbst nächsten Jahres vorliegen, soll davon abgeleitet ein Katalog mit Maßnahmen erarbeitet werden. Es gehe darum, ganze Wertschöpfungsketten für alternative Energien zu schaffen. Mit dem bereits auf Neudörfchener Flur begonnenen Aufbau eines Energieparks habe die Stadt dem Klimaschutzkonzept bereits vorgegriffen - "einfach, um Zeit zu sparen", begründete der Wirtschaftsförderer. In dem neuen Energiepark an der Bundesstraße 169 erfolgt derzeit die Montage der Stative für Solarmodule. Des Weiteren soll dort eine Bioerdgasanlage entstehen.

Großes Vorbild für Frankenberg ist die österreichische Stadt Güssing, die sich bereits vor Jahren als Energiewunder-Stadt international einen Namen gemacht hat. Völlig unabhängig von Fremdanbietern produziert sie Energie für den Eigenbedarf und kann diese sogar noch verkaufen. "In diese Richtung soll es einmal gehen", sagt Mertke.

Interessierte und fachkundige Bürger, die im Energiebeirat mitarbeiten möchten, können sich im Büro des Bürgermeisters oder bei der Wirtschaftsförderung der Frankenberger Stadtverwaltung melden. In der Woche ab 13. Dezember soll dieser erweiterte Beirat darüber befinden, wie er den Weg zu einer eigenständigen Energieregion mit begleiten kann.

Text: Uwe Lemke

05.11.2010 11:37