Baggern für Bildungstouristen

Spatenstich für Bergbau-Technik-Park / Ab Frühjahr 2011 sollen Besucher Kohleförderung erleben

Foto: André Kempner

Leipziger Volkszeitung, erschienen am 29./30. Mai 2010

Großpösna. Ab sofort graben wieder Bagger im früheren Tagebau Espenhain. Aber diesmal nicht, um Kohle abzubauen, sondern um den Bergbau-Technik-Park zu errichten. Gestern war der Spatenstich für das Freilicht-Museum, das ab Frühjahr 2011 auf der fünf Hektar großen Fläche den Kreislauf der Kohle zeigen soll.

"Jetzt kann es nach achten Jahren Vorbereitung endlich losgehen", sagte Peter Krümmel, stellvertretender Vorsitzender des Bergbau-Technik-Park-Vereins. Gabriela Lantzsch, Bürgermeisterin von Großpösna und Vorsitzende des Tourismusvereins Leipziger Neuseenland, ergänzte: "Wir hoffen, durch den Park Bildungstouristen in die Region zu locken." Im Gegensatz zu anderen Tagebaumuseen "stehen hier nicht nur Großgeräte, sondern das Ganze hat auch einen Sinn". Jürgen Frisch (SPD), Bürgermeister von Espenhain, sagte, er habe ein besonderes Verhältnis zu diesem Ort, weil sein Großvater, sein Vater und er selbst dort gearbeitet habe. "Wir müssen die folgenden Generationen auf diese Mühen aufmerksam machen." Auch Gerhard Gey (CDU), Landrat des Kreises Leipzig, die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Köpping und Vertreter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) waren nach Großpösna gekommen.

Der Verein habe jetzt die 120.000 Euro Eigenmittel für das insgesamt 1,2 Millionen Euro teure Projekt aufbringen können, so Krümmel. Als Baufirma wurde die Finsterwalder Bau-Union aus dem brandenburgischen Sonnewalde ausgewählt, an der Planung sitzen die Leipziger Ingenieure von Seecon. "Wir halten die Eröffnung im Frühjahr 2011 für realistisch", sagte Büroleiter Ronald Bönisch. "Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen." Peter Krümmel ergänzte: "Wir wollen den Bau bis November abschließen und dann letzte Details bearbeiten, um im März oder April aufzumachen." Der Eintrittspreis steht noch nicht fest. Eine eigene Ausfahrt von der Autobahn ist nicht geplant.

Als laut Krümmel erstes derartiges Projekt in Deutschland soll der Park den gesamten Zyklus zeigen - vom Abholzen der Bäume über die Gewinnung und den Transport der Kohle bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Mensch die Fläche der Natur zurückgibt.

Eintrittskarten werden aus den früheren Steuerkabinen verkauft. Zu Anfang des Rundgangs erwarten angedeutete Arbeitersiedlungen und Baumstümpfe den Besucher. Die Gewinnung der Kohle veranschaulicht der fast 30 Meter hohe, 1.300 Tonnen schwere Schaufelbagger 1547. Ein anderes Relikt des Espenhainer Braunkohleabbaus, der Bandabsetzer 1115, zeigt, wie das schwarze Gold auf die Halde verkippt wurde. Senkrecht aufgestellte Förderbänder, zu einem Labyrinth angeordnet, sollen an die Orte erinnern, die zugunsten der Abbaustätten von der Landkarte verschwinden mussten. Im Café kann man sich in Baggerschaufeln setzen, und die Kinder werden auf einem Spielplatz mit Matsch, Hügeln und Schaufeln zum Thema geführt. Und am Ende des Kreislaufs wächst wieder das Gras.

Text: Florian Bamberg

 

29.05.2010 10:05