Von Passivhaus bis Fahrradständer
Großpösna will Energieeffizienz verbessern und sucht nach Sparpotenzialen
Leipziger Volkszeitung, erschienen am 19.01.2011
Großpösna. Die derzeit laufende Passivhaus-Ausstellung im Pösna-Park nahm Großpösnas Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch (parteilos) gestern zum Anlass, um über die Fortschritte der Gemeinde im Bemühen um den European Energy Award (eea) zu berichten. Dieser ist ein Programm zur umsetzungsorientierten Energiepolitik und umfasst ein Zertifizierungsverfahren.
"Mir geht es nicht in erster Linie darum den European Energy Award zu erhalten, sondern vor allem darum sich überhaupt mit den Themen Energieeffizienz und Klimaschutz auf kommunaler Ebene auseinaderzusetzen", sagte Lantzsch.
Bereits Ende 2008 hatte der Gemeinderat den Beschluss gefasst, sich mit den Themen zu beschäftigen. Im September des folgenden Jahres kam der Förderbescheid und im November dann tagte das Energieteam erstmals, bestehend aus Mitgliedern aus Verwaltung, Unternehmerstammtisch, Bürgern und Gemeinderat.
Die Ist-Analyse für die Gemeinde wurde nun abgeschlossen. Gemessen werden die Kriterien in sechs Bereichen, die von der Raumordnung, zum Beispiel Flächennutzungsplänen, bis zu Kommunikation und Kooperation reichen. Von 330 möglichen Punkten hat die Gemeinde derzeit 107. Um den eea zu erhalten, bräuchte sie mindestens 165.
Eine Verleihung des eea hält Projektingenieur Eckehard Pohl für das Jahr 2012 für realistisch. Bis dahin müsse noch einiges geschafft werden: So erreicht Großpösna im Bereich kommunaler Anlagen derzeit gerade 17 Prozent aller möglichen Punkte. "Wir haben jetzt so eine Art Mutti-Hefte an die Hausmeister aller Gebäude der Gemeinde ausgegeben und hoffen, sie in zwei Monaten auswerten zu können", erklärte Lantzsch eine Maßnahme. Die Analysen seien unabhängig vom eea wichtig für Großpösna, um zu sehen, wo die Kommune stehe, und um Sparpotenziale zu entdecken. Insofern habe der eea einen ideellen, aber auch einen handfesten Wert, so Pohl. Die Maßnahmen werden über einen Zeitraum von drei Jahren zu 75 Prozent mit Mitteln der Sächsischen Aufbau Bank gefördert.
Vorbildlich ist Großpösna bereits im Bereich der Mobilität, wo es schon 56 Prozent aller möglichen Punkte erhalten hat. Punkte bringen bereits kleine Maßnahmen ein. So werden Fahrradabstellanlagen belohnt, solche mit Dächern schlagen sich in der Bilanz sogar noch positiver nieder.
Der Kommune komme auch als Multiplikator eine Rolle zu, da sie zwischen Region und Bürgern vermittele, sagte Lantzsch. Deshalb sei die Aufklärung über die energieeffizienten Passivhäuser ein wichtiger Part. Denn auch die Existenz von privaten Solaranlagen auf Dächern oder Passivhäusern auf dem Gebiet der Gemeinde schlage sich in der Bilanz nieder, erklärte Lantzsch. Der Beschluss zum energiepolitischen Arbeitsprogramm von Großpösna soll nächste Woche Montag im Gemeinderat fallen.
Text: Kerstin Leppich


