Vertragsunterzeichnung zum Klimaschutzkonzept Templin
seecon Ingenieure und KlimaKommunal mit der Erarbeitung des Energiekonzeptes für die Stadt Templin beauftragt
Templiner Zeitung, erschienen am 2. Februar 2012
Templin. Den hochgesteckten Zielen für ein „Konzept mit Leuchtturmwirkung“ angemessen, wurde am Dienstagabend der Vertrag zur Erarbeitung eines Energiekonzeptes für die Stadt Templin durch die Firma KlimaKommunal im Vier-Sterne-Hotel Döllnsee-Schorfheide unterzeichnet. Bürgermeister Detlef Tabbert und Dr. Gabi Zink-Ehlert setzten im Beisein der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Energiekonzept“ ihre Unterschriften unter das Dokument,
nur wenige Kilometer von jenem Ort entfernt, wo einmal eines der größten Freiflächen-Solarkraftwerke Europas entstehen könnte. Das Büro KlimaKommunal ist angetreten, in Kooperation mit den Ingenieuren der Firma Seecon auf Basis einer Energie- und Klimabilanz für die Stadt Templin im Laufe des Jahres 2012 die Energiepotenziale der Stadt zu ermitteln und ein Maßnahmekonzept zu erstellen. GroßenWert legt sie dabei auf die Öffentlichkeitsarbeit. Die Bürger sollen über einen Link auf der Templiner Internetseite aktuell über laufende Ergebnisse informiert werden und Hinweise, Kritiken und Ideen einbringen können. In der regionalen Planungsgemeinschaft Barnim-Uckermark gilt Templin als Pilotprojekt.
Anlässlich der Vertragsunterzeichnung mit der Planerin von KlimaKommunal und der Firma Seecon bekamen die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Energiekonzept“
am Dienstagabend ein wenig den Spiegel vorgehalten. „Ihre Kommune behandelt sehr öffentlich, viel öffentlicher als andere Kommunen, dieses brisante Thema“, schätzte Jeffrey Seeck ein, Geschäftsführer der seecon Ingenieure GmbH – ein Unternehmen, das genau wie KlimaKommunal als Spezialist für Infrastruktur- und Umweltplanungen gilt, bereits mehrere Klimaschutzkonzepte für Kommunen erarbeitete und die Zertifizierung der Stadt Leipzig mit dem European Energy Award® begleitete.
Während Dr. Gabi Zink-Ehlert vom Büro KlimaKommunal für Templin die Leitbilder und Handlungsvorschläge erstellen wird, widmet sich ihr seecon-Partner Eckehard Pohl dem Energiekonzept aus technischer Sicht, erstellt die Energie- und Klimabilanz, erarbeitet unter anderem Lösungsvorschläge für eine effizientere Fernwärmeversorgung. Die ersten Gespräche mit der städtischen Fernwärme GmbH liefen dazu bereits.
Fachbereichsleiterin Ursula Heise erhofft sich von dem Konzept eine „Initialzündung für die Kurund Bäderstadt und praxisrelevante Lösungsvorschläge“, die dazu beitragen, Templin die Anerkennung als Thermalsoleheilbad zu sichern. Das entspricht auch den Intentionen vom Stadtverordneten Horst Baage: „Wir wollen erreichen, dass die Luft unseres Kurortes noch besser wird und die Stadt und städtische Unternehmen Geld und Energie sparen“, sagte er. Alfons Klaffki alsWoba- und Fernwärmechef wünschte sich, die Stadt möge mit vorbildlichen Lösungen von sich reden machen. Immerhin produzierte die Fernwärme GmbH 2011 rund 13 000 Megawattstunden Wärme und versorgt damit unter anderem 1800 Woba-Wohnungen. „Ich wünschemir, dass alle Akteure in der Stadt künftig an einemStrang ziehen“, so Klaffki. Walter Kik und Ernst Pries lag besonders am Herzen, dass auch die Bürger mitgenommen werden auf dem Weg des Energiesparens, zu höherer Effizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien. Schließlich verspricht sich Walter Kik auch eine Steigerung der regionalen Wertschöpfung. Man dürfe gespannt sein, wie es gelinge, den CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr in Templin auf das bundesweite Ziel für 2050 von zwei Tonnen zu senken. Zum Vergleich: Für Beeskow hatte KlimaKommunal einen Ausstoß von sechs Tonnen ermittelt. Der Bundesdurchschnitt lag 2010 noch bei rund elf Tonnen, berichtete Dr. Gabi Zink-Ehlert. Derzeit gebe jeder Bundesbürger im Schnitt 2600 Euro im Jahr für Strom, Wärme und Kraftstoffe aus. Ein Großteil dieses Umsatzvolumens sollte künftig in der Region bleiben. Allerdings, so Walter Kik, sei eine Voraussetzung dafür, dass Handwerker, Ingenieure und Architekten ausreichend qualifiziert seien, um kommunalen Klimaschutz vor Ort umsetzen zu können. Das Energiekonzept sollte dafür Impulse geben. Wenn nur zehn Prozent der Ausgaben für Energie über Templiner Firmen realisiert würden, blieben jährlich 4,4 Millionen Euro in der Stadt, überschlug die Energieplanerin. Ernst Pries forderte, die Stadt möge die Bürger motivieren, ganz persönlich etwas zur CO2-Reduktion beizutragen. Rainer Thiersch fand, die Energieberatung im Historischen Rathaus sei schon ein Schritt dazu. Ernst Pries und Walter Kik ging das nicht weit genug. Sie wünschten sich, Veränderungen zur Not auch über Satzungen zu bewirken. „Dann könnte in dem Maßnahmekatalog also auch die Forderung nach einer Fernwärmeanschlusssatzung enthalten sein?“, fragte Ursula Heise. Zumindest würde schon die Diskussion darüber möglicherweise ein Nachdenken bei den Bürgern und damit Veränderungen bewirken, glaubten einige AG-Mitglieder. Die Diskussion über das Konzept soll öffentlich geführt werden über einen Button „Energiekonzeptauf" der Templiner Internet-Seite.
Text: Sigrid Werner


